Südafrika

Südafrika, das Land der Farben, das Land der Träume, das Land der unbegrenztenBild (2).jpgMöglichkeiten, so kann man es gerade jetzt zur Fußball WM immer wieder in Zeitschriften lesen… Und ja, Südafrika ist wirklich etwas ganz, ganz besonderes. Selten erlebt man in einem Land so viel Freude, Offenheit und Herzlichkeit, wie in Südafrika. Ein Land voller Schönheit und Reichtum auf der einen Seite, aber auch voller Armut und Leid auf der anderen Seite. In Südafrika verbinden sich zwei sehr starke Gegensätze: die erste und die dritte Welt.

Schule

Im schulischen Bereich zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen Deutschland und Südafrika, angefangen beim Schulsystem: Die Schullaufbahn umfasst 12 Jahre beginnend bei Grade 0, auch genannt reception year, also Aufnahmejahr, bis hin zur 12. Klasse, welche durch die allgemeine HochschulreifBild (1).jpge abgeschlossen wird. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass in Südafrika überwiegend Gesamtschulen existieren, also keine Unterscheidung zwischen Haupt-und Realschule bzw. Gymnasium vorliegt. Die Eltern der Kinder aus reicheren Familien haben einzig die Möglichkeit eine Privatschule zu finanzieren, in welchen der Abschluss meist anerkannter ist, die aber auch dementsprechend viel kostet. Der Schulalltag beginnt meist schon morgens um 7:30, mit einer Versammlung der Schulgemeinschaft vor dem Hauptgebäude. Es wird zusammen gebetet und anschließend verliest der Direktor notwendige organisatorische Dinge. Bevor man in die Klassen entlassen wird, findet ein so genannter Bodycheck statt: da in Südafrika Schuluniformen getragen werden muss auch das restliche Gesamtbild einheitlich sein: die Mädels müssen ihre Haare hochstecken, Make-up, Schmuck, sowie lange oder lackierte Fingernägel sind nicht erlaubt; die Jungs müssen ihre Haare kurzgeschnitten tragen und rasiert sein.   Auch bei Austauschschülern wird hier nur geringfügig eine Ausnahme gemacht. Die Schule endet meist um 14:30. Danach geht es für die meisten auf das schuleigene Sportfeld um für schulinterne, bzw. externe Wettbewerbe zu trainieren. Man bekommt sehr stark das Gefühl, dass Sport in Südafrika, nicht nur innerhalb der Schulfamilie, gemeinschaftsfördernd wirkt. Während des Jahres werden kleinere Tests absolviert, die zusammen mit der mündlichen Note und den Abschlussprüfungen am Ende eines jeden Schuljahres zur Gesamtnote beitragen. Meist sind die Schulen spezialisiert(wie zum Beispiel einem technischen Zweig) und variieren zwischen englisch- und afrikaans-sprachigen Schulen, wobei in beiden Fällen eins als Muttersprache und das andere als Fremdsprache unterrichtet werden. Selten gibt es auch Schulen, in denen englisch- und afrikaans-sprechende Kinder zusammen eine Schule besuchen.

Familien

Die Gastfamilien in Südafrika sind im Allgemeinen sehr streng.  Auch wenn viel Herzlichkeit in der Familie herrscht und man sich angenommen fühlt, zeigen sich doch relativ schnell die Grenzen auf. Verabredungen mit Freunden sind mit der Gastfamilie abzustimmen. Meist wird man von den Gastfamilien persönlich zu verschiedenen Orten (z. B. Schulveranstaltung, Sportverein) gefahren und wieder abgeholt. Selbst bei Schulfreunden mitzufahren, die den Gasteltern nicht persönlich bekannt sind, ist ein Tabu. Ein abendlicher Besuch mit Freunden in einem Club ebenfalls. Um Kontakte zu Freunden aufrecht erhalten zu können nutzt man am besten die ortsansässigen Sportclubs, wo ein ungezwungener Austausch auch mit anderen möglich wird. Das Abendprogramm wird oft von der  Gastfamilie gestaltet.  Aufgrund der idealen klimatischen Verhältnisse wird meist mit Freunden und Verwandten in Form von Kleinfesten gegrillt („gebraait“). Es bestehen große kulturelle Unterschiede zwischen afrikaans- und englischsprechenden Gastfamilien. Insgesamt wird man als Außenstehender jedoch schnell in das Familienleben integriert und fühlt sich heimisch.

Sicherheit

Bild (6).jpgEs fällt schwer das Land ohne Vorurteile zu betreten, zu fokussiert ist unsereins auf Medienreporten von Gewaltbildern, Unruhen und Berichten über die zunehmende Armut. Anfangs fällt es schwer sich davon zu lösen, zu realisieren, dass das Bild, welches sich in unserem Kopf zusammengefügt hat, von riesigen Sicherheitstrakten sowie Kampfhunden nur bedingt existiert. Sicherheit in Südafrika muss, so merkwürdig es klingt, gelernt sein. Es gibt Gebiete in denen man sich sorgenfrei aufhalten kann und eben diese in denen man es, vor allem nachts nicht sollte. Am besten ist, man hält sich hierbei an einen Einheimischen, bzw. die Gastfamilie. Es gibt für alles, und vor allem in jedem Land Regeln, die diesbezüglich eingehalten werden sollten.

Infrastruktur

Bild (7).jpgÖffentliche Verkehrsmittel bietet Südafrika so gut wie keine.  Es gibt Großraumtaxis in Form von Kleinbussen, die jedoch als nicht besonders sichBild (8).jpger gelten. Der Gast-Rotary-Club jedoch weist noch einmal ausdrücklich darauf hin. Zudem gibt es eine Bahnstrecke die jedoch nur für den Gütertransport existiert. Weitere Strecken legt man am geschicktesten mit dem Flugzeug, beziehungsweise mit Reisebussen zurück. Diese weiten Reisen werden, aufgrund der immensen Fläche des Landes, notwendig um an Orientations teilzunehmen (die Distrikte erstrecken sich teilweise über 1200 Kilometer!).

Bild (5).jpgEssen

Das Essen ist in Südafrika sehr fleischlastig. Oft wird gegrillt, der südafrikanische Ausdruck hierfür ist: Braai. Zum Fleisch gibt es meist gebratenes Gemüsen und Reis oder Kartoffeln. Sehr gewöhnungsbedürftig ist die Küche nicht, nur relativ deftig.

Land und Leute

Bild (3).jpgDie Südafrikaner sind ein sehr offenherziges Volk, bei dem man sich relativ bald willkommen fühlt. Selbst die arme Bevölkerungsschicht strahlt soviel Lebensfreude und Besonnenheit aus, dass es fast schon abfärbt. Es wird viel getanzt und gesungen, egal ob auf der Straße, an der Supermarktkasse oder neben der roten Ampel… Aber Südafrika verzaubert nicht nur durch seine (Ur-)Einwohner, sondern trägt diese Magie auch landschaftlich weiter. Ob kurz vor Sonnenuntergang Löwen im Kruger Nationalpark zu beobachten, riesigen Elefantenherden beim Baden zuzusehen, oder einfach nur einen Tag im satten Grün der Berge zu verbringen und sich anschließend am tiefblauen, endlos scheinenden Meer zu erfreuen. In Südafrika ist landschaftlich wirklich für jeden etwas dabei.

Bild (4).jpgArmut

Armut gibt es in ganz Südafrika. Jede Stadt hat hier eigenes angrenzendes Township in dem meist der ärmere Teil der schwarzen Bevölkerung lebt. Als Europäer wundert man sich oft über die Verhältnisse, in denen Leute im Stande sind zu überleben, bzw. glücklich und zufrieden sind, oft zufriedener vielleicht als unsereins. Oft ist man mit seinem Rotaryclub aktiv Vorort und unterstützt die ärmsten der Armen, packt Essenspakete zusammen, sorgt für schulische Ausbildung oder für die vor allem im Winter benötigte Kleidung. Soweto ist sogar  eine eigene, riesige Townshipstadt nahe Johannesburg.

Besonderheiten

Now, now now und just now sind wohl die drei verhängnisvollsten Begriffe, die man in Südafrika gebraucht. Vor allem besteht zwischen jedem dieser drei Begriffe ein Riesenunterschied. Die allgemeine Unpünktlichkeit und die Gelassenheit, die die Südafrikaner im Bezug auf Zeit mitbringen, wird in diesen drei Begriffen nochmals deutlich. Now bedeutet innerhalb eines Zeitraums von zwei Stunden, now now bedeutet, dass man schon mal um einiges länger warten darf und just now lässt anzweifeln, ob man den Gesprächspartner jemals wieder in seinem Leben sehen wird. Zudem herrscht in Südafrika Linksverkehr, also nicht vergessen, erst rechts gucken, dann links, dann wieder rechts. Eine gute Sonnencreme ist ganz wichtig für Südafrika… einer meiner Gastschwestern hat einmal das Experiment, „ich komme auch ohne Sonnencreme durch“ durchgeführt, die ärmste hat eine Woche lang gelitten.

 

Südafrika ist wirklich ein aufregendes Land, das durch die unterschiedlichsten Kulturen geprägt wurde. Mein Ratschlag für euch: Seid offen gegenüber anderen Menschen,  respektiert deren Kulturen und Sitten.  Ihr werdet überrascht sein, mit welcher Herzlichkeit und Gastfreundschaft man euch begegnen wird.  Meine erste Gastmutter meinte anfangs zu mir: Sag niemals nie, sei offen für alles und jeden. Ich persönlich habe mir die Philosophie sehr zu Herzen genommen, ergaben sich dadurch viele interessante Kontakte,  die mir es ermöglicht haben, halb Südafrika bereisen zu können.

Carmen (2007/2008)