Argentinien







Argentinien – von Ushuaia bis zur Quiaca

Argentinien... Ende der Welt? Argentinien vielleicht nicht, aber Ushuaia bestimmt schon. Deshalb wird es auch von den Argentiniern selber als „Fin del mundo“, Ende der Welt, bezeichnet...es ist die südlichste Stadt der Welt...La Quiaca jedoch ist der nördlichste Punkt Argentiniens, in der Provinz Jujuy, an der Grenze zu Bolivien gelegen und eben  5121km von Ushuaia entfernt.
Argentinien ist ein riesiges Land (das achtgrößte der Erde) mit dementsprechend allen Klimazonen...im Nordosten die Urwälder (und der breiteste Wasserfall der Welt...also noch etwas fürs Guinessbuch der Rekorde), im Nordwesten die Hochebenen, die zum Unesco Weltkulturerbe gehören, und im Süden, in Patagonien entlang der Grenze zu Chile Gletscher und Pinguine. Es ist ein Land der Gegensätze und
spektakulären und beeindruckenden Landschaften.

Obwohl das Land schon so groß ist, wollen die Argentinier trotzdem noch viel mehr Territorium für sich haben, wie zum Beispiel die Islas Malvinas (Falkland-Inseln), die, fragt man einen Argentinier, ganz eindeutig zu ihnen gehören...die Engländer haben da gar nichts zu sagen. Man findet auch auf vielen Bussen die Aufschrift „Las Malvinas son nuestras!“, Die Malvinen gehören uns!
Ähnlich ist es mit der Antarktis. Die Argentinier beanspruchen ein großes Dreieck südlich von Ushuaia für sich, dass jedoch auch die Chilenen darauf Anspruch erheben, ist egal. Trotzdem wäre vor rund 20 Jahren fast ein Krieg mit Chile um sämtliche chilenische Inselchen und Landstriche in Feuerland ausgebrochen.
Argentinier leben eben gerne ihre Nachbarschaftsrivalitäten aus, jedoch nur im jeweiligen Grenzgebiet. An den Anden wie gesagt mit den Chilenen, im Nordosten mit den Paraguayos, im Nordwesten mit den  Bolivianern und in Buenos Aires mit den Urugayos. Nur Brasilien wird, wegen seines Carnavals, seiner Strände und seiner Lebensfreude geliebt. (Ach ja, und wegen der ach so hübschen Frauen...)
Aber auch die Argentinier besitzen eine wahnsinnig große Partybereitschaft...bei mir in Jujuy (die nördlichste Provinz im Nordwesten) wurde alles gefeiert. Es gibt für alles einen speziellen Tag: den Tag des Freundes, den Tag des Lehrers, den Tag des Hausmeisters...und bei fast allen gibts schulfrei...=) Ich hatte meine ersten vier Monate nie 5 Tage am Stück Schule... wenn kein Feiertag in eine Woche fiel, wurde einfach gestreikt...Aber das gilt nur für staatliche Schulen, die von den Universitäten abhängig sind. Auf Privatschulen sieht das anders aus. Man lernt zwar genauso wenig oder weniger, aber zumindest wird nicht gestreikt =)
Aber zurück zu den Partys...die Diskos sind in Argentinien immer voll...aber auch erst ab 2 Uhr...vorher geht da gar nichts. Sie vertreten den Standpunkt, man kann immer noch schlafen wenn man tot ist. Dementsprechend hört das Ganze dann auch erst um 7 oder 8 Uhr in der Früh auf. Aber an diesen Rhythmus gewöhnt man sich sehr schnell...=)
Die Argentinier selbst sind auch wahnsinnig liebe, offene, herzliche und temperamentvolle Leute. Man wird sofort in die Gruppe integriert und sie zeigen ein sehr großes Interesse am fernen Deutschland und an unseren Gewohnheiten. Und, auch wenn man kein Spanisch kann, wird einem mit sehr viel Geduld zumindest das Fluchen beigebracht. Sie gehen das Leben sehr viel lockerer an. „Kommt’s heut nicht, kommt’s morgen!“ Bevor sie sich wegen irgendetwas beunruhigen, trinken sie erstmal ihren Mate-Tee, ein Ritual in Argentinien. Er schmeckt wie starker grüner Tee, was er in gewisser Weise ja auch ist, und erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl, wie das Wasserpfeiferauchen in arabischen Ländern. Man sitzt zusammen, unterhält sich und der Mate geht die Runde.
Das Einzige, bei dem ich gebraucht habe, mich daran zu gewöhnen, war ihre Unzuverlässigkeit. Frag fünfmal nach, lauf ihnen zehnmal hinterher und dann überraschen sie dich doch, dass sie es immer noch nicht gemacht haben. Aber das ist auch etwas, das man lernt. Es läuft nicht alles so wie in Deutschland und genau das hat mir so viel Spaß gemacht zu erleben. Die Argentinier, und ich denke mit ihnen alle Lateinamerikaner, sind von ihrer Art ganz anders als die Deutschen, aber ich habe sie lieben gelernt! Argentinien ist für mich meine zweite Heimat geworden, wegen der Leute, meiner Familie und ihrer Lebensgewohnheiten. Es war mein bestes Jahr überhaupt und ich kann jedem nur empfehlen: Argentinien muss man erlebt haben!!!

Bilderklärungen:
Bild 1:   Schild in La Quiaca, dem Grenzdorf zu Villazon, in Bolivien.
Bild 2:   Iguazú Wasserfälle, an der Grenze zu Brasilien
Bild 3:   Seenlandschaft auf dem Weg nach Bariloche, Patagonia Argentina
Bild 4:   Hochebene mit sog. Vicuñas (Verwandte der Lamas) in der Provinz Jujuy auf rund 4000 Metern über dem Meeresspiegel
Bild 5:   Argentinische Nationalflagge

Falls ihr noch Fragen zu Argentinien oder zu meinem Austauschjahr habt, freu ich mich über eure Fragen. Schreibt einfach eine Mail an: friederike.lottner-at-web.de