Australien







Für mich stand immer fest, dass ich eines Tages einen Schüleraustausch machen würde. Als es dann endlich so weit war ging plötzlich alles ganz schnell. Am einen Tag füllte ich noch meine Bewerbung aus (hey, das war ein Stress bis die mal unterwegs war, ABER: den war’s wert) und am nächsten saß ich im Flieger in mein Traumland Australien. So ungefähr kam’s mir echt vor. Als ich dann ankam, voller Erwartungen, Wünsche, Träume und auch Ängste und Ungewissheiten gab’s diesen Moment, in dem das alles wie ein Stein plötzlich von mir abfiel: der Moment im Flieger in dem ich zum ersten mal Melbourne bei Nacht aus der Luft gesehen habe. Ich ein Junge aus dem kleinen provinziellen, aber schönen Nandlstadt plötzlich im Anflug auf Melbourne, der Stadt am Yarra River deren Skyline und die weiten Ausläufe der Stadt bei Nacht durch Millionen von Lichtern nur so funkelte.
Am Flughafen erwartete mich schon mein Counselor mit einem Miniatur Schild auf dem mein Name (klein aber bei genauerem hinsehen doch erkennbar) stand. Michael (so hieß mein Counselor) stellte sich mir kurz vor (und ich war überrascht wie verständlich der Aussie-Accent doch war- kannte ihn ja nur von den Schildkröten aus findet Nemo) und fragte mich mit einem Lächeln auf den Lippen, ob ich Hunger auf einen echten Australischen Burger hätte. Bei so einem Angebot sagte ich natürlich nicht nein, auch wenn ich noch so müde war und schließlich fuhren wir zum nächstgelegenen Hungry Jack’s Restaurant, einer Art Australischem McDonalds und ich hatte dort tatsächlich den besten Burger meines Lebens (Bacon Burger Deluxe!). Allein der ist ein Grund einmal nach Australien zu reißen! Zuhause in meiner Stadt Geelong (Küstenstadt mit 250000 Einwohnern etwa 30 Minuten von Melbourne entfernt) angekommen stellte er mir den Rest der Family vor, die über das nächste Jahr zu einer richtigen Familie für mich wurde. Wir unterhielten uns noch einige Stunden über Gott und die Welt (und das ging.. sogar mit meinem Hoho-English) bis ich dann letztlich nach dem stundenmäßig wahrscheinlich längsten Tag meines Lebens erschöpft, aber zufrieden in mein Bett fiel.

Über die nächsten Tage verteilt erledigten Michael und ich die grundlegenden Dinge, wie Versicherung, Handy, Schuluniform, etc. Er zeigte mir die Stadt, meine Schule und erteilte mir die wichtigsten Lektionen, die es zu wissen gilt wenn man in Australien nicht als Tourist durchgehen will. So zum Beispiel wie man einen „Meatpie“ isst, den beliebtesten Australischen Snack überhaupt, der mir im Laufe meines Jahres (wie der Bacon Burger Deluxe) doch sehr ans Herz gewachsen ist.
Natürlich gab es auch ernsthafte Dinge zu erledigen, wie mich bei meinem Rotary Club vorzustellen. Ehrlich gesagt hatte ich, als bis dahin eher Rotary unerfahrener Mensch, schon bisschen Bammel davor, aber die Leute haben mich so herzlich begrüßt und aufgenommen, dass ich mich auch dort schnell zurechtgefunden habe. Das gleiche gilt für den ersten Schultag, oder die erste Woche. Ich glaube die Australier sind außergewöhnlich offenen und herzliche Menschen, die schnell auf dich zugehen. Man muss nur auch selbst offen für alles sein und versuchen auf die Leute zuzugehen, sich bisschen mit allen zu unterhalten und einfach man selbst sein. Dann findet man schnell Anschluss. Mir ging’s so, am ersten Tag kannte ich keinen Menschen in meiner Schule, nach einer Woche kannte mich meine halbe Jahrgangsstufe und schrieen mir schon von weitem zu „Hey Moritz, how ya goin’?“. Bei mir hat’s lange gedauert bis ich alle Namen kannte, aber nach ungefähr einem halben Jahr kannte ich dann glaub ich mehr Leute an meiner Schule als meine Freunde selbst. Auch lustig war es, dass immer wenn ich mit meinem Counselor Michael in der Stadt unterwegs war, ich zufälligerweise in ungefähr 5 Leute gelaufen bin, die ich kannte und er irgendwie nie jemanden getroffen hat den er kannte.
Sprachlich gesehen ging’s auch ab der Hälfte des Jahres schon viel besser. Jeder Mensch hat ja so seinen eigenen Sprachstil, bestimmte Wörter die man ständig benutzt. Am Anfang muss man immer noch viel darüber nachdenken was man sagt und vor allem wie man es sagt. Nach drei Monaten kennt man dann schon viel mehr Wörter und so nach 6 Monaten hatte ich dann zumindest meinen eigenen „Stil“ gefunden und konnte reden ohne groß darüber nachzudenken. Am Ende des Jahres haben dann sogar einige gesagt, dass ich schon total wie ein echter Aussie klinge, was mich natürlich sehr gefreut hat, denn ich liebe den Australischen Akzent.
Das Jahr ist dann einfach so verlaufen, es gab Höhen und Tiefen (wie das halt im normalen Leben so ist). Ich war bei 4 Gastfamilien, die alle super nett waren, habe viele Freunde gefunden, vor allem in den anderen Austauschschülern, die einem während des Jahres wirklich ans Herz wachsen, habe mit Rotary viel unternommen und erlebt , war fast jeden Tag surfen und habe angefangen Gitarre zu spielen. Und am Ende des Jahres auf unserer großen Australia Safari habe ich dann auch noch große Teile des unvergleichbaren und unbeschreiblichen Landes gesehen. Alles in allem muss ich sagen, dass meine Entscheidung nach Australien zu gehen für mich die goldrichtige war. Aber ich denke auch, dass es bei einem Austausch tatsächlich kein richtig und kein falsch gibt. Austausch ist Austausch und in jedem Fall eine riesen Erfahrung, die ich für meinen Teil, und das auch wenn manchmal Heimweh und das Gefühl von Verlorenheit dabei ist, nicht missen möchte. Also egal wo es hingehen soll, just do it und macht das beste daraus!