| Buongiorno principessa! Oder: Ein Schuljahr in bella italia - zwischen pasta und amaretto? |
|
| Es ist ein sehr komisches Gefühl mich hier vor den Computer zu setzen und meinen “Endjahresbericht” zu schreiben. Was kann ich über das vergangene Jahr sagen? Was will ich sagen, was muss ich sagen? Die letzten neun Monate haben viele Dinge in meinem Leben verändert. Sie haben mich verändert und trotzdem bin ich immer ich selbst geblieben. Es ist äußerst schwer eine derartige Erfahrung zu beschreiben. Da werden mir alle Jahresaustauschschüler Recht geben. | |
| Ich erinnere mich noch zu gut an den siebten September 2002. Am vorangegangenen Tage hatte ich alle meine Freunde verabschiedet. Sorgen, Angst, aber besonders Neugierde raubten mir den Schlaf. Ich blickte aus dem Fenster des Eurocitys München-Rom, gekleidet in einen blauen Blazer und die Haare sorgfältigst hochgesteckt, selbstsicher mit einem Koffer in der Hand , und sah den Bahnsteig verschwinden. Mit dem Bahnsteig verschwand meine Familie. Dieser Moment hat mein Leben verändert. Vielleicht auf eine etwas grausame Weise, | ![]() |
| aber sicherlich nur zum Guten. Ich begann zu weinen. Ich begann mich zu fragen wie ich nur die Rotary-application hatte unterschreiben können, wie ich nur eine derartige Entscheidung hatte fassen können und warum ich um alles in der Welt so sicher gewesen war diese unsere Welt zu kennen. Schlagartig wurde mir klar, dass ich überhaupt nichts von all dem, was mir immer so selbstverständlich erschienen war, wusste. Ich war kurz davor in einem fremden Land anzukommen. Ich sprach die Sprache nicht und ich kannte keinen Menschen. Heute sehe ich | |
![]() |
vieles anders. Ich schätze mich nicht intelligenter oder erwachsener als ein Jahr zuvor ein. Im Gegenteil: vielleicht habe ich einfach verstanden, dass ich niemals alles wissen kann. Ich muss mich mit jeglicher Situation in meinem Leben ohne Vorurteile und ohne die Meinung, perfekt auf sie vorbereitet zu sein, konfrontieren. Ich kann niemals sicher sein, was geschehen wird, auch nachdem ich tausend Bücher gelesen habe und Mein Leben lang gelernt habe. Die Momente des Lebens findet man in keinem Buch geschrieben. Es gibt keine Regeln, um zu verstehen wie man mit den Menschen, denen man über den Weg läuft umgehen muss. Ich bin zufriedener. Nicht weil ich keine Angst mehr habe oder weil ich keine Fehler mehr mache. Ich bin zufriedener weil ich verstanden habe, dass ich aus meinen Fehlern lernen darf und dass Mut nicht bedeutet keine Angst zu haben. Mut bedeutet der Realität trotz der Angst ins Auge zu sehen. Vielleicht scheint diese Sache unwahrscheinlich banal und einfach umzusetzen, das weiß ich. Aber sie ist es nicht. Oder besser gesagt: Für mich ist sie es nicht. Es hat mich viel Kraft gekostet mein Jahr zu realisieren und es gab Tage voll Traurigkeit oder Verzweiflung. Hoffnung und Neugierde brachten mich voran und heute kann ich von ganzem Herzen und zutiefst |
| ehrlich sagen: Ich habe eine neue Heimat gefunden. Ein zweites zu Hause. Sicherlich ist das zum Grossteil der Verdienst der Menschen, die zu mir standen ohne mir die Freiheit zu nehmen, die ich brauche. Von ganzem Herzen danke ich meinen italienischen Familien, meine Klassenkammeraden und Schulfreunden, meiner leiblichen Familie und meinen besten deutschen Freunden, die immer für mich da waren. Ohne sie wäre dies alles nicht möglich gewesen. Es gäbe noch viele andere |
|
| zu erwähnen: Rotarier, Lehrer, Bekannte.... Diese Jahr war für mich unendlich wichtig und unvergesslich. Ich bin sehr glücklich die Gelegenheit gehabt zu haben eine solche Erfahrung machen zu dürfen. Ich habe viele Bekannte: Von Afrika über sämtliche Staaten der USA, bis nach Japan. Ich habe Freunde, connections und damit Möglichkeiten in der ganzen Welt. Ich spreche eine zweite Fremdsprache mehr oder weniger | ![]() |
| perfekt und ich bin selbstständig geworden Ich möchte Jugendliche dazu ermutigen zu reisen und neues kennen zu lernen. Wir sind nicht schwarz und weiß, Europäer und Amerikaner, Deutsche und Italiener. Wir sind einfach Menschen und ich bin überzeugt davon, dass wir versuchen sollten die Grenzen die zwischen uns in unseren Köpfen existieren aufzulösen. Nur so wird es auf unserer Welt ein kleines Bisschen mehr Frieden geben. Abgesehen von all dem, bleibt mir nur noch etwas sehr direktes und emotionales hinzuzufügen: Ich liebe Italien und dieses Land wird für immer ein zu Hause für mich sein. Genauso habe ich meine deutsche Wurzeln schätzen gelernt und freue mich, dass ich hier wieder mit offenen Armen aufgenommen wurde. Ich weiß nicht wo mich mein Lebensweg hintragen wird, aber ich weiß, dass ich mir fest vorgenommen habe diesen Weg überzeugt zu gehen. | |
(F. Dambacher) |
|