USA

Ein Jahr an der Ostküste

Den Wunsch ein Jahr ins Ausland zu gehen hatte ich schon länger. Doch die Umsetzung brauchte ein bisschen länger. Erstmal mussten die Eltern überredet werden und viel ausgefüllt werden. Deshalb war ich umso glücklicher als ich erfuhr, dass ich wirklich mit Rotary in mein Wunschland USA darf.

Am 15. August ging es endlich los. Von Frankfurt flog ich mit 3 anderen Deutschen Austauschschülern nach Boston. Nachdem ich endlich die Pass- und Zollkontrolle hinter mir hatte und durch die Tür in den Ankunftsbereich kam, wusste ich gar nicht wie mir geschah als ich sofort umarmt wurde bevor ich mich überhaupt nur umschauen konnte.
Anthony und Beth (meine 1. Gasteltern) waren super nett. Wir fuhren ca. 1 Stunden nach Wells an der Küste von Maine. Aber vom Highway dauerte es nochmals viel länger auf kleinen, ewigen Straßen mit fast keinen Häusern. Endlich fuhren wir eine lange Einfahrt mit einer alten Neu England Farm hoch. Das Haus und das ganze Grundstück war schön, aber im Umkreis von 1 Meile war kein weiteres Haus. Aber weite Entfernungen sind in Amerika ganz normal und die meisten geben Entfernung in Stunden an und nicht in Meilen. Meine Gastschwestern gingen zur Uni und kamen teilweise am Wochenende nach Hause. Mit ihnen verstand ich mich sehr gut und wir gingen oft einkaufen in den Malls und Outlets. Aber auch die Zeit wo ich nur mit meinen Gasteltern zu Hause war, war kein Problem und ich fühlte mich wie zu Hause.

 

Am Labor Day hatten wir ein riesiges Familien & Freunde Fest (an die 75 Leute) mit einem Lobster & Clam Bake (Hummer & Muscheln, das Traditionsessen in Maine).
Und schon fing die Schule an. Alle waren total nett und wollten wissen woher ich bin. Schon nach ein paar Tagen hatte ich Freunde gefunden. Homecoming (ein besonderes Football Spiel ) half in Sachen Freunde und Leute kennen auch sehr. In der Woche von Homecoming hatten die Jahrgänge untereinander einen Wettkampf um den größten School Spirit. Es ist Wahnsinn wie alle zusammen halfen um die Gänge zu dekorieren, die Parade durch den Ort und die Wahl der Homecoming Queen und des Kings und noch viel mehr vorzubereiten. Es hat sehr viel Spass gemacht und danach kannte ich fast die ganze Schule. Das gute an der High School (9.-12.Klasse) ist, dass man sich seine Kurse und deren Schwierigkeitsgrade selber aussuchen kann wie auch die ganzen Teams. Als erstes half ich bei Interact (Organisation von Rotary für High School Schüler) mit. Dann trat ich dem Leichtatletik Team, Tennis und Mathe Team bei. Alles war sehr lustig und man lernte immer mehr Leute kennen. Im Winter hatten wir sehr viel Schnee und somit auch des öfteren Schneefrei. Die ersten male waren recht lustig, aber nach einigen malen wurde es langweilig, weil man wirklich nirgendwo mit dem Auto hinkam. Weihnachten feierten wir am 25. morgens vor dem Karmin im Schlafanzug. Danach gab es ein richtiges American Breakfast mit Speck, Eiern und Pancakes.

Im Januar musste ich mich von meinen lieb gewonnen 1. Gasteltern verabschieden und zog zu meiner 2. Gastfamilie. Diese hatte 9 Kinder (zwischen 8 und 28 Jahre, 6 davon adoptiert aus der ganzen Welt), 2 Hunde, 9 Alpaqua, 5 Schafe, 1 Pferd und noch ein paar Ziegen. Von nun an war immer was los. Jeder half zusammen und irgendwie schafften es meine berufstätigen Gasteltern alles zu organisieren. Beim Einkaufen im Supermarkt kam es nicht selten vor dass wir 3 Wägen brauchten. Und mit meiner 2. Gastfamilie musste ich auch jeden Sonntag in die Kirche, die einige Stunden dauerte. In vielen Dingen waren sie viel konservativer als meine sehr offene, liberale erste Gastfamilie. Ich freute mich sehr als ich mit in den Familien Urlaub nach San Diego, Kalifornien mit durfte. Wir brauchten 2 Minibusse und beim einchecken glaubte uns niemand, dass wir eine Familie sind. Die Woche war sonnig und warm und wir hatten sehr viel Spaß. Es ist ein tolles Erlebnis, Teil einer so großen Familie zu sein. In Kalifornien hatte ich das erste mal ein bisschen das Gefühl, dass es so wie das Amerika aus dem Fernsehen ist. Die Woche war schnell vorbei und die letzten 3 Monate vergingen wie im Flug. Mit den Austauschschülern aus meinem Distrikt war ich noch einmal beim Rafting und wir waren auch Segeln. Der Abschied von einander viel uns sehr schwer, weil wir in diesem Jahr zusammengewachsen sind, viel Spaß hatten und uns vielleicht uns nie wieder sehen werden. Gott sei Dank hatten wir unsere Proms als Ablenkung. Die Prom Nacht war ein echtes Erlebnis. In Deutschland gibt es einfach nichts vergleichbares. Die letzten Wochen Schule waren noch gelassener als sonst und somit unternahm ich dauernd etwas mit meinen Freunden. Oft gingen wir zum Strand auch wenn das Wasser viel zu kalt war um wirklich rein zu gehen. Meine Freunde schmissen noch eine Abschiedsparty und es viel mir sehr schwer „Goodbye“ zu sagen.

Obwohl ich einige Schwierigkeiten in diesem Jahr hatte, würde ich es sofort noch mal  machen und kann es nur jedem empfehlen. Vielleicht würde ich ein anderes Land an Nummer eins stellen, da zu mindestens in meinem Distrikt einfach zu viele Regeln uns auferlegt wurden.

Also viel Spaß im Ausland, es wird bestimmt ein unvergessliches Jahr!
Alles Liebe eure Johanna