Liebe Gasteltern,
bald ist es soweit! Euer Kind bricht auf in ein Jahr voller neuer Erfahrungen. Ihr werdet es natürlich vermissen und es so gut wie möglich von zu Hause aus unterstützen wollen. Dafür bekommt Ihr ein neues Familienmitglied. Ein Mensch, den Ihr noch nie gesehen habt wird Teil Eures Lebens. Da kommen natürlich viele Fragen auf. Wie gehen wir damit um? Machen wir alles richtig? Geht es ihm / ihr gut? Was machen wir wenn etwas nicht so gut läuft? Wir wollen unsere Erfahrungen als Austauschschüler und Gastfamilien mit Euch teilen.

Erster Kontakt

Lange Zeit wisst Ihr überhaupt nicht wer zu Euch kommen wird oder aus welchem Land er oder sie ist. Dann kommt die Guarantee Form und Ihr erfahrt die ersten Details. Gehen wir jetzt mal davon aus es ist ein 16-jähriger Junge namens José irgendwo aus Lateinamerika. Auf der anderen Seite der Welt fiebert José den ersten Infos über Euch (seiner Gastfamilie) und Deutschland (seinem Gastland) entgegen. Jetzt ist es an der Zeit den ersten Kontakt aufzunehmen. Schreibt Ihm eine nette Nachricht, in der Ihr ihm von eurer Familie und eurem Alltag erzählt. Durch ein paar Bilder gebt Ihr eurem neuen Familienmitglied einen ersten Eindruck. Manchmal kann diese erste Kommunikation ein bisschen kompliziert sein weil man keine gemeinsame Sprache spricht, aber das macht nichts. Für Euch und José ist dieser Nachrichtenaustausch ein erstes Kennenlernen, in dem man schon einiges übereinander erfährt.

Die ersten Tage

Gespannt wartet Ihr am Flughafen. Außer auf Bildern habt Ihr José noch nie gesehen. In diesen Minuten gehen euch bestimmt viele Gedanken und Fragen durch den Kopf. Ein „Willkommen in Deutschland José“ Plakat ist eine tolle Überraschung für den Flughafen und José, dem der Abschied von seiner Familie bestimmt nicht leicht gefallen ist, wird sich wohl und willkommen fühlen. In den ersten Stunden und Tagen ist es sehr wichtig grundlegende Fragen zu klären. Denkt immer daran, dass bei ihm zu Hause vieles anders ist. Besonders wichtig sind unter anderem Folgende Fragen:

  • Wie wollt Ihr von José angesprochen werden?
  • Welches Zimmer bekommt er?
  • In welchen Räumen darf er sich aufhalten?
  • Wann geht wer ins Bad?
  • Darf er sich Essen aus der Küche nehmen ohne zu fragen?
  • Welche Aufgaben muss er übernehmen? (Zimmer putzen? Kleidung waschen? Spülmaschine einräumen?)
  • Auf welche Schule wird er gehen, wie kommt er hin und wann geht es los?
  • Wo darf er seine Zahnbürste abstellen?
  • Soll er abends ab einer bestimmten Uhrzeit in sein Zimmer gehen?
  • Weitere Fragen könnt Ihr dem First Night Questionary unten auf dieser Seite entnehmen.

Es gibt so viele Dinge, die für Euch und Eure Kinder selbstverständlich sind, die Ihr ihm erst erklären müsst. Ihr wisst, wo die Schuhe stehen, wann Ihr Hilfe wollt, lieber allein seid oder wann wer ins Bad darf. Viele kleine Dinge, an die man gar nicht denkt, da sie einem so selbstverständlich erscheinen. Abgesehen davon ist es schön, wenn Ihr Euch in diesen ersten Tagen viel Zeit nehmt um einander kennenzulernen. José freut sich sicher, wenn Ihr ihm seine neue Heimat ein wenig zeigt. Ihr werdet Euch wundern wie viele Sachen für ihn neu sind. In Lateinamerika ist es zum Beispiel nicht überall möglich mit dem Fahrrad zu fahren. Gute Möglichkeiten sich besser kennenzulernen sind Brettspiele, Ausflüge ins Umland, das gemeinsame Essen oder vielleicht ein Filmeabend.

Bürokratie

Vor allem werdet Ihr mit vielen organisatorischen Aufgaben konfrontiert. Das Visum, der Gang zum Einwohnermeldeamt, das Anmelden an der Schule, der Kauf einer Handy-SIM-Karte oder die Anmeldung in einem Sportverein sind einige der Aufgaben die auf Euch zukommen werden. Dabei steht Ihr aber nicht alleine da, der YEO (Youth Exchange Officer) und der Counselor vom Rotary Club sind gerne bereit Euch zu helfen und haben in der Regel auch schon Erfahrung in diesen Dingen.

Sprache

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die vollständige Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache. Versucht von Anfang an deutsch mit José zu reden und englisch auf das notwendige Minimum zu begrenzen. Wenn Ihr als Familie mit dem Rotary Club und Rotex zusammenarbeitet wird er schnell große Fortschritte machen und die Kommunikation wird immer leichter. Hierbei ist das Programm Rosetta Stones eine große Hilfe. Motiviert Euren Austauschschüler immer wieder, mit diesem Kurs zu üben und helft ihm dabei, falls Ihr möchtet. Auch Rotary und Rotex werden das Erlernen der Sprache nach Kräften unterstützen, indem Deutschkurse angeboten und regelmäßig Deutschtests durchgeführt werden.

Integration und Freundschaften

Um eine neue Kultur richtig kennenzulernen sind soziale Kontakte von großer Bedeutung. Motiviert José dazu Freundschaften zu schließen und macht ihm Mut, falls ihm das schwer fällt. Je nach Herkunftsland sind die Menschen dort extrovertierter. Gespräche über deutsche Verhaltensweisen können hierbei eine große Hilfe sein. Durch verschiedene Veranstaltungen von Rotex wird José andere Austauschschüler kennen lernen. Oft ist es mit diesen leichter, Freundschaften zu schließen und José wird sich auch außerhalb der Rotexwochenenden mit ihnen treffen. Es ist wichtig und hilfreich, sich mit Menschen, die gerade die gleichen Erfahrungen machen auszutauschen, und oft entstehen so tiefe Freundschafen. Trotzdem ist es sinnvoll darauf zu achten, dass José auch den Kontakt zu deutschen Gleichaltrigen sucht, da er so die deutsche Kultur kennenlernt.

Ausgehen

Mit den ersten Freundschaften wird sicher auch das Thema Ausgehen aufkommen. Beim diesem Punkt ist es wichtig, klare Regeln festzulegen. Für dieses Jahr seid Ihr die Eltern von José und stellt diese somit auch auf. Ob er im Herkunftsland mehr oder weniger darf ist in diesem Fall irrelevant.

Alkohol

Bei uns Bayern gehört Bier gewissermaßen zur Kultur. Das steht natürlich im Gegensatz zu den rotarischen Regeln. Manchmal ist es schwer sich in dieser Hinsicht gegenüber einem Jugendlichen durchzusetzen, wenn doch die Gleichaltrigen Freunde Alkohol trinken dürfen. Macht dem Austauschschüler Euren Standpunkt am besten von Anfang an klar.

Internetnutzung

Es ist selbstverständlich, dass der Austauschschüler Kontakt mit seiner Familie und seinen Freunden halten möchte. Es wird einige Momente geben, in denen er starkes Heimweh hat. Aber das Gastkind soll sich auch in Deutschland integrieren und nicht zu viel Zeit damit verbringen, mit Personen aus seiner Heimat zu kommunizieren, da dadurch das Ankommen im Gastland erschwert wird. Sorgt dafür, dass es dieses Jahr dazu nutzt eine neue Kultur und andere Lebensweise kennenzulernen und stellt notfalls klare Regeln für die Internetnutzung auf.

Jeder ist anders

Es wird euch bestimmt immer wieder passieren, dass Ihr den Austauschschüler mit Eurem eigenen Kind, das gerade im Ausland ist, vergleicht. Denkt daran, dass José ein Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit und eigenen Stärken und Schwächen ist. Jeder Mensch ist unterschiedlich und während zum Beispiel der eine Begeisterung und Dank offensichtlich ausdrückt ist der andere vielleicht introvertierter. Versucht Euch auf das neue Familienmitglied einzulassen und versteht, dass es je nach Austauschschüler andere Hindernisse gibt, die im Austausch bewältigt werden müssen.

Rotary und Rotex

Für Probleme aller Art stehen Euch Rotary und Rotex aktiv zur Seite. Auf vielzähligen Veranstaltungen wird den Inbounds die deutsche Kultur nähergebracht, ihre Deutschkenntnisse werden überprüft und gefördert und Erfahrungen werden ausgetauscht.

Und noch einige Worte zum Schluss

Zum Schluss ist noch zu sagen, dass die Erfahrung, einen Austauschschüler in der eigenen Familie aufzunehmen, für alle Mitglieder eine wertvolle, schöne und einzigartige Chance ist. Es bilden sich Beziehungen, die ein Leben lang halten. Ihr gewinnt ein neues Familienmitglied und das Austauschkind eine neue Heimat und Familie. Sie werden die gemeinsam erlebte Zeit oft und gerne Revue passieren lassen und sich mit viel Freude an die schönen Momente zurückerinnern. Neben diesen engen Bindungen lernt auch ihr eine neue Kultur und andere Sichtweisen kennen. Oftmals geben Austauschschüler neue Impulse für das familiäre Zusammenleben. Wir hoffen, dass Ihr sowohl Eurem Kind, als auch Euch die einzigartige und wertvolle Erfahrung eines Rotary Jungendaustausches ermöglicht. Wir wünschen Euch viel Spaß mit Eurem neuen Familienmitglied, viele schöne Tage und tolle neue Erfahrungen.
First Night Questionary
(Zur Verfügung gestellt von Rotex 1870)

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